Kommuniqué

Angesicht der jüngsten Ereignisse im Land wendet sich das „Martin Luther King“ Institut der Polytechnischen Universität von Nicaragua - UPOLI an die Regierung und die nicaraguanische Gesellschaft, um seine Position als akademische Institution, welche sich der Förderung einer Kultur des Friedens in Nicaragua und der Welt verpflichtet hat, öffentlich zu machen:

  1. 1. Eine gute Regierungsführung verwirklicht sich im Rahmen eines Rechtsstaates unter der Herrschaft des Rechts und der Verwendung demokratischer Instrumente, des Konsenses und der Übereinstimmung in Entscheidungen , welche die Interessen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen betreffen.
  2. 2. Der Zwang und die Nicht-Anerkennung der Grundrechte und Werte, die unter dem Schutz der Gesetze stehen und die das Fundament des demokratischen Lebens sind, bedrohen das friedliche Zusammenleben und erzeugen Spiralen der Gewalt wie diejenige, die wir gerade erleben.
  3. Der Dialog ist das grundlegende Instrument, um Frieden zu erreichen unter der Voraussetzung, dass dieser Dialog zur Anerkennung des Anderen mitsamt seiner Unterschiede und zur Anerkennung der Legitimität seiner Interessen führt. Der Dialog muss versuchen, den Konflikt auf nachhaltige Weise zu überwinden und zur Versöhnung zu führen, ebenso wie die verlorene Einheit wieder zu gewinnen.
  4. Die Jugendbewegung weist einen zutiefst ethischen und moralischen Charakter auf, weil sie auf der Achtung der Gesetze basiert und auf die Überwindung der Ungerechtigkeit gegenüber den ärmsten Schichten unseren Landes abzielt.
  5. Die grundsätzliche Methode des Kampfes der Jugendbewegung war Gewaltlosigkeit, aber die Aktionen der Polizeikräfte und der zivilen Einsatzkräfte, die sie begleiten, haben den Konflikt auf einem Gewaltniveau eskalieren lassen, das außer Kontrolle geraten ist.
  6. 6. Unsere Jugend verkörpert heute, ebenso wie in anderen Momenten unserer nationalen Geschichte, die höchsten moralischen Grundlagen der Gesellschaft, indem sie sich für den Schutz und die Verteidigung der Umwelt und für die Interessen der ärmsten Schichten des Landes einsetzt.
  7. Bezüglich der im Grundsatz sinnvollen Ankündigung der Regierung, einen trilateralen Dialog mit Arbeitgebern und Arbeitern neu zu beginnen, sind wir der Meinung, dass ein solcher Dialog auf nationaler Ebene geführt werden muss, und zwar mit einer weiter gefassten Agenda und einem breiteren Spektrum an Gesprächspartnern, bei dem an erster Stelle die Jugend stehen muss. Das Dokument der nicaraguensischen Bischöfe von 2014 kann hier als Ausgangspunkt dienen.
  • Ein aufrichtiger Wunsch für den Dialog seitens der Regierung muss die Überwindung aller Formen von Zensur von Kommunikationsmedien, die Freilassung von Gefangenen, das Wiederauftauchen der Verschwundenen und die Einstellung aller Repressionen beinhalten.
  1. 9. Die Kultur des Friedens erkennt die Existenz von Konflikten als natürliche Phänomene in jeder Gesellschaft oder menschlichen Gemeinschaft an, jedoch nicht die Gewalt. Wenn Konflikte durch Dialog und kreative und friedliche Mittel angegangen und überwunden werden, wächst und stärkt sich die ganze Gesellschaft, weil sie eine andere und höhere Stufe erreicht. Wenn aus den Konflikten Gewalt erwächst, so führt das zum Scheitern und zu einer ständigen Wiederholung.
  1. Wir vertreten die Meinung, dass die heutige Intervention des Präsidenten der Republik, Daniel Ortega, von keinerlei tieferem Bewusstsein über unsere Probleme geleitet ist, ebenso wenig wie sie zu einer von diesem Land erwarteten und benötigten Lösung beiträgt. Dennoch stellt die ausgedrückte Bereitschaft einen erster Schritt bei der Suche nach Lösungen dar.
  2. 11. Nicaragua muss gestärkt aus diesem historischen Scheideweg hervorgehen, der Dialog muss zu Veränderungen führen und die Türen eines dauerhaften Friedens öffnen, der sich auf die Gerechtigkeit, das heißt auf eine Kultur des Friedens stützt.

"Martin Luther King" Institut - UPOLI, 21. April 2018.